Angiologie

Die Angiologie (http://de.wikipedia.org/wiki/Angiologie) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Funktion und Erkrankungen der Blutgefässe (Arterien und Venen) sowie Lymphbahnen befasst. Die grösste Bedeutung hierbei hat die Atherosklerose der großen und kleinen Arterien des menschlichen Körpers (v.a. Hirnarterien, Beinarterien und abdominelle Arterien) sowie die Erkrankung der Beinvenen in Form Varikose (Krampfadern) und Beinvenenthrombose.

Durch die zentrale Bedeutung des Gefäßsystems für den ganzen Körper bestehen weite Überschneidungen mit anderen Fachgebieten: die Atherosklerose der Herzkranzgefäße fällt in das Fachgebiet Kardiologie, die Atherosklerose der Hirnarterien betrifft neben der Angiologie die Neurologie, Erkrankungen der Nierenarterien die Nephrologie, seltenere Erkrankungen wie z.B. Vaskulitis fallen neben der Angiologie in das Fachgebiet der Rheumatologie. In vielen Fällen ist daher die Angiologie idealerweise im Kontext der betroffenen Organe und der zugehörigen Fachdisziplinen zu sehen und nicht auf die isolierte Gefäßbetrachtung zu beschränken. Angesichts der für Lebenserwartung und Todesrisiko stark hervorgehobenen Bedeutung der Herzerkrankungen (V.a. Koronare Herzkrankheit) ist eine ideale Verbindung die Kombination der Angiologie mit der Kardiologie, womit eine ganzheitliche Herzkreislaufmedizin ermöglicht wird mit weitreichenden Vorteilen für den Patienten.

Im MVZ Dorfen bestehen umfangreiche Spezialisierung und Erfahrung im Bereich der Angiologie mit Untersuchungen von tausenden Patienten mit unterschiedlichsten Gefäßerkrankungen wie Beinvenenthrombose, pAVK, Carotisstenose, Nierenarterienstenose, Aortenaneurysma, embolischer Arterienverschluß, Vaskulitis und Gefäßdissektion.

Krankheitsbilder

Periphere arterielle Verschlußkrankheit (pAVK)

Atherosklerose mit Ausbildung von Ablagerungen und schließlich Engstellen bis hin zu Verschlüssen der Becken- und Beinarterien. Ursachen sind meist die bekannten Risikofaktoren Zuckerkrankheit, Nikotin, arterielle Hypertonie, Hypercholesterinaemie und genetische Faktoren. Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit) bedeutet schmerzbedingte Pause beim Gehen: bei Belastung treten Schmerzen in der Beinmuskulatur infolge Durchblutungsstörung auf. In fortgeschrittenen Stadien treten Schmerzen auch in Ruhe auf, es kann zu Nekrosen (Absterben) von peripheren Körperteilen (meist beginnend an den Zehen) kommen, in schweren Fällen mit Infektion, Notwendigkeit der Amputation bis hin zu tödlichem Verlauf.

Arterielle Verschlußkrankheit der Hirnarterien

Arterielle Verschlußkrankheit der Nierenarterien

Bauchaortenaneurysma

Beinvenenthrombose

Schulter-/Armvenenthrombose

Varikose (Krampfaderbildung)

Thrombophlebitis

Varikophlebitis

Milzvenenthrombose

Embolie

Vaskulitis

 

Leistungsspektrum

Angiologische Untersuchung der hirnversorgenden Arterien

Indikationen: (V.a.) zerebrale Ischaemie, Atherosklerose, Strömungsgeräusch am Hals, Seitendifferenz Blutdruck am Arm >20-30mmHg

Zum Einsatz gelangen je nach Bedarf einzeln oder häufig in Kombination cw-Dopplersonographie und hochauflösende Farbduplexsonographie (10-14 MHz). Es lassen sich im Wesentlichen zwei Indikationsgruppen abgrenzen: einerseits die Suche nach haemodynamisch relevanten Stenosen bei Patienten mit abgelaufener oder vermuteter zerebraler Ischaemie oder bei Patienten mit atherogenen Risikofaktoren sowie Risikostratifizierung vor größeren operativen Eingriffen. Die andere Gruppe besteht aus Patienten mit in Diskussion stehender Atherosklerose (v.a. KHK, gesicherte KHK, pAVK, Diabetes, andere Risikofaktoren) im Sinne eines Atherosklerose-Stagings z.B. zur Begründung einer präventiven (kostenintensiven und langfristigen) Statintherapie bei Hyperlipoproteinaemie im Falle von merklichen atherosklerotischen Veränderungen im Carotisbereich. Neben der Erfassung fokaler Plaquebildung erfolgt routinemäßig die Messung des IMT (Intima-Media-Komplex), der einerseits altersabhängig (von 0,5-0,8mm) ansteigt, andererseits aber eine klare Assoziation zu bekannten atherogenen Risikofaktoren und der Prognose einer sich entwickelnden Atherosklerose aufweist. Bei haemodynamisch relevanten Stenosen (ab 50% Querschnittsreduktion) erfolgt eine semiquantitative Graduierung nach den anerkannten internationalen Kriterien, die sich v.a. an den großen Studien zum Thema Carotis-Stenose (NASCET, ECST, ACAS) orientieren. Entscheidend ist hierbei die Erfassung von Patienten mit höhergradigen (>70%igen) Stenosen, die unter bestimmten Umständen von einer operativen oder kathetergeführten Intervention auch im asymptomatischen Stadium profitieren können. Eine seltenere Indikation zur angiologischen Untersuchung der supraaortalen Arterien ergibt sich bei deutlich seitendifferentem Blutdruck an den Armen (V.a. Stenose der A. subclavia).

Angiologische Untersuchung der Extremitätenarterien

Indikationen: pAVK, Atherosklerose, belastungsabhängige Beinschmerzen, Läsion am Fuß/Unterschenkel mit Heilungsstörung, Diabetes mellitus

Hier handelt es sich in aller Regel um die Beinarterien, nur in einigen speziellen Fällen (arterielle Embolie, Vaskulitis, Stenose A. subclavia, neurovaskuläre Kompressionssyndrome, mechanische Gefäßschäden im Unterarm-/Handbereich) werden die Armarterien untersucht.

Zum Einsatz gelangt die cw-Dopplersonographie mit Spektralanalyse und konventioneller Druckmessung an den Knöchelarterien in mmHg mittels Manschette oder hydrostatisch in cm Wassersäule sowie die Farbduplexsonographie, bei der die Arterien und der Blutstrom direkt sichtbar gemacht werden und exakte Flußmessungen erfolgen können z.B. zur Graduierung von Stenosen (Engstellen).

Farbduplex- und Kompressions-Sonographie der Extremitätenvenen

In der weit überwiegenden Zahl der Erkrankungen von Extremitätenvenen handelt es sich um die Beinvenen. Hierbei werden subfasziale (tiefe) Venen von epifaszialen (oberflächlichen) Venen unterschieden. Häufig führt ein Verdacht auf Venenthrombose zur Untersuchung, wobei in der Mehrzahl der Fälle insbesondere in Kombination mit D-Dimer-Schnelltest (Laboruntersuchung) schnell und zuverlässig eine Thrombose nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Nicht nur bei Beinvenenthrombose, sonderen auch bei oberflächlicher Venenentzündung (Thrombophlebitis/Varikophlebitis) und Krampfadern ist die Duplexsonographie die wichtigste Untersuchungsmethode.

Die Sonographie der Extremitätenvenen ist ein Ultraschallverfahren, bei dem Struktur und Funktion der Venen sichtbar gemacht werden. Wie alle diagnostischen Ultraschallverfahren ist die Untersuchung ungefährlich.

Farbduplexsonographie der abdominellen Gefäße

Indikationen: Angina abdominalis, portale Hypertonie, Leber- und Milzerkrankungen, Pankreatitis, Rechtsherzinsuffizienz

Bitte beachten: Nüchternheit, möglichst frühmorgens, medikamentöse Entblähung günstig

Die häufig indizierte sonographische Beurteilung der abdominellen Aorta erfolgt ganz überwiegend durch 2D-Sonographie im Rahmen der konventionellen Abdomen-Sonographie und wird hier nicht weiter berücksichtigt. Die Indikationen für Diagnostik im abdominellen Bereich außerhalb der Bauchaorta und der Nierenarterien (die aufgrund ihrer besonderen Bedeutung nachstehend gesondert beschreiben werden) umfassen die Abklärung einer Angina abdominalis durch Stenosen der Mesenterialarterien, die Beurteilung einer Rechtsherzinsuffizienz mit unterer Einfluß- und Leberstauung, die Abklärung einer portalen Hypertonie mit ggfs. zu erhebenden Hinweisen auf die Ätiologie, ferner seltenere Fragestellungen wie z.B. Milzvenenthrombose bei Pankreasprozeß und Lebervenenthrombose (Budd-Chiari-Syndrom).

Farbduplexsonographie der Nierenarterien

Bei Verengung der Nierenarterien durch Atherosklerose oder infolge angeborener fibromuskulärer Dysplasie kommt es zur Durchblutungsstörung der betroffenen Niere, die in der Folge blutdrucksteigernde Hormone ausschüttet. Hierdurch kann eine Verengung der Nierenarterien Bluthochdruck verursachen oder verstärken. Bei Patienten mit schwer einstellbarem oder in jungen Jahren auftretendem Bluthochdruck ist daher der Ausschluß einer Nierenarterienstenose wichtig. Die Farbduplexsonographie der Nierenarterien steht hierbei an erster Stelle, da ohne Strahlenbelastung und in der Hand des erfahrenen Untersuchers zuverlässig. In einigen Fällen kann ergänzend eine Untersuchung der Nierenarterien mit Kernspintomographie, Computertomographie oder Katheterangiographie notwendig werden.